Bericht der Schulleitung: Revisions- und Planungsgespräch 2023.
2. Sachstand zu den Schulentwicklungsaufträgen.
Seit dem 20.09.2021 gibt es einen bis zum 31.07.2024 gültigen Versuchsschulerlass für die Reformschule, in dem insgesamt fünf Aufgabenfelder genannt sind. Abweichend vom sonst üblichen Berichtszeitraum von einem Jahr fand 2022 wegen der Corona-Pandemie kein Gespräch statt.
Heute soll nun eine Zwischenbilanz erfolgen, welcher Sachstand für die einzelnen Punkte besteht und wie die Weiterarbeit erfolgt.
2.1. Beratung und Begleitung allgemeinbildender Schulen in Hessen.
- Um sicherzustellen, dass alle an der Reformschule arbeitenden Lehrkräfte die für unsere Schule wichtige reformpädagogische Haltung haben oder entwickeln, um andere allgemeinbildende Schulen zu beraten und zu begleiten, haben wir am 23. und 24. Februar unser diesjähriges Kompaktseminar zum Thema „Reformpädagogik“ durchgeführt.
- Hospitationen haben entweder online oder in Präsenz stattgefunden. Neben Studierenden der Universität Kassel waren auch verschiedene Studienseminare sowie Kolleginnen und Kollegen interessierter Schulen zu Gast bei uns. Dabei wurde schwerpunktmäßig nach dem allgemeinen reformpädagogischen Konzept der Reformschule gefragt, aber auch spezielle Fragen nach unserem fächerübergreifenden Unterricht sowie Fachunterricht gestellt. Aktuell haben wir Anfragen von der Gustav-Heinemann-Schule in Hofgeismar und von der Marie-Durand-Schule in Bad Karlshafen, die sich besonders für unseren Projektunterricht interessieren.
- Am 31.03.2022 hat an der Reformschule das IGS-Forum der GGG stattgefunden. An der Veranstaltung haben elf Schulen teilgenommen. Kolleginnen und Kollegen der Reformschule haben zum Thema „Digitalisierung als Instrument für individualisiertes Lernen“ eine Input-Präsentation gehalten, die die Digitalisierung als Schulentwicklungsprozess in den Fokus genommen hat. Danach haben sich die Teilnehmenden im Plenum ausgetauscht. In der zweiten Phase des Tages wurden von den Kolleginnen und Kollegen der Reformschule drei Workshops („Projekt“, „Chancen außerschulischen Lernens“ und „Digividualisierung“) angeboten.
- Im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Lehrkräfteakademie haben weitere Fortbildungen zu „Bausteine guten Nawi-Unterrichts“ stattgefunden.
- Als Club of Rome Schule und Mitglied im Schulverbund „Blick über den Zaun“ treten wir als reformpädagogisch arbeitende Schule auf. In den Netzwerken arbeiten wir mit den anderen beteiligten Schulen zusammen, tauschen uns aus und stehen auch dort als Ansprechpartner zur Verfügung. Im Schulverbund „Blick über den Zaun“ nehmen momentan sieben Kolleginnen und Kollegen halbjährlich an pädagogischen Werkstätten teil, die dann als Multiplikatoren für unser Kollegium und andere Kollegien dienen.
2.2. Unterstützung von Schulen bei Umwandlung in PSES.
Leider wurden wir bisher nur wenig von Schule angefragt, ob wir sie bei der Umwandlung zu einer pädagogisch selbständigen Schule unterstützen können. Am 16.11.2022 hat unsere für den MINT-Bereich zuständige Kollegin die Wilhelm-Heinrich-von-Riehl Schule bei ihrem Schulentwicklungstag mit zwei Workshops zum selbstständigen Arbeiten unterstützt. Darüber hinaus möchte sich die Schule Hegelsberg von einer KGS in eine IGS umwandeln und hat sich deshalb von uns über fächerübergreifenden Unterricht beraten lassen. Hier stellt sich dennoch die Frage, welche Handlungsoptionen bestehen, damit mehr Schulen unsere Expertise zu den Themen Jahrgangsmischung, Schule ohne Noten oder fächerübergreifender Unterricht nutzen können.
2.3. Fachtag 2023.
Am 04.03.2023 fand der 7. Fachtag zur Binnendifferenzierung mit dem Titel „Lernen und Lehren in einer Kultur der Digitalität“ statt. Die vier Versuchsschulen des Landes Hessen haben den Fachtag gemeinsam vorbereitet und die Workshops erstellt und angeboten. In einem Vortrag von Herrn Micha Pallesche zum Thema „Binnendifferenzierung in der Kultur der Digitalität“ wurden viele interessante Aspekte zur individuellen Lernentwicklung und den möglichen Werkzeugen und Arrangements dafür genannt. In insgesamt 14 Workshops konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einwählen und sich Anregungen für die eigene Schule bzw. das eigene Unterrichtssetting holen.
2.4. Konzept zum Einsatz von digitalen Lernumgebungen.
Bei der Erstellung eines Konzepts zum Einsatz von digitalen Lernumgebungen an unserer Schule, haben wir uns zunächst die Frage gestellt, wie das Kollegium für das Thema Digitalisierung gewonnen werden kann, um es den Schülerinnen und Schülern erfolgreich zu übermitteln?
Vor dem Hintergrund, dass wir als Club of Rome Schule den Nachhaltigkeitszielen verpflichtet sind und deshalb bereits beschlossen hatten, einmal im Jahr ein Projekt durchzuführen, das sich mit einem der SDGs (Nachhaltigkeitsziele) beschäftigt, sahen wir es als besonders gute Möglichkeit an, dieses Projekt mit einem Medienprojekt zu verknüpfen. Die Umsetzung erfolgte im Schuljahr 2021/22, als jede der 22 Gruppen in der Reformschule ein SDG-Projekt erarbeitet hat und am Ende mit einem medialen Produkt (Stopp-Motion-Filme, Podcasts, Erklärfilme usw.) präsentierte. Dabei war sehr erfreulich, dass sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrerinnen und Lehrer intensiv digitale Medien nutzten und bereit sehr professionell damit umgingen. Die Ergebnisse wurden in einem Trailer festgehalten und in einer großen gemeinsamen Veranstaltung gewürdigt.
Schließlich nehmen unser Sekundarstufenleiter, unsere derzeitige Ansprechpartnerin für die Grundstufe und ein Gruppenlehrer aus der Grundstufe an von der Bosch-Stiftung initiierten pädagogischen Werkstatt „Schule im digitalen Wandel gestalten“ teil. Es ist beabsichtigt, im Unterrichtsfach Projekt die selbstgesteuerten / selbstverantwortlichen Lernprozesse unter Einbeziehung von digitalen Medien weiterzuentwickeln.
2.5. Kompetenzorientiertes Medienbildungskonzept.
Das bereits bestehende Medienbildungskonzept wird jährlich fortgeschrieben. Vor dem Hintergrund, dass die Binnendifferenzierung eine der tragenden Säulen der Reformschule ist, haben wir unser Hauptaugenmerk darauf gelegt, digitale Medien noch intensiver in die Binnendifferenzierung zu implementieren und im Medienbildungskonzept festzuschreiben. Am 28. und 29.04.2022 hat die Steuergruppe Digitalisierung das jährliche Kompaktseminar durchgeführt, an dem das Kollegium der Reformschule in den Prozess der Transformation in die Digividualisierung einbezogen wurde. Dabei wurde in den Stufen und Fachschaften ein Mediencurriculum für den jeweiligen Lernbereich erstellt.
3. Perspektive für die Weiterentwicklung der gegenwärtigen Arbeitsschwerpunkte.
3.1. Konzept zum Einsatz von digitalen Lernumgebungen: Ausbau der Digividualisierung.
Die Steuergruppe Digitalisierung hat sich zum Ziel gesetzt, die individuellen
Lernvoraussetzungen für die Schülerinnen und Schüler zu erweitern und zu optimieren, indem digitale Endgeräte nicht nur zur Recherche verwendet werden, sondern als multifunktionales Werkzeug dienen (z. B. zum Dokumentieren, Präsentieren, Sortieren…). Für das kommende Schuljahr ist die Einführung von iPads in der Stufe III (Jahrgänge 6 – 8) geplant.
3.2. Kompetenzorientiertes Medienbildungskonzept: Binnendifferenzierung.
Bei der Weiterentwicklung der Binnendifferenzierung mit Hilfe der Digividualisierung bieten sich drei Bereiche zur Implementierung besonders an: Lerndörfer, Lernhäuser und das ssl (social sciences lab)
3.2.1. Lerndörfer.
Lerndörfer: Die Lerndörfer sind Unterrichtseinheiten zu verschiedenen Themen, die auf individuelles selbstgesteuertes Lernen fokussiert sind. Dabei bieten digitale Medien viel Potential für selbständiges und eigenverantwortliches Lernen. Sieben Kolleginnen und Kollegen der Reformschule haben in den pädagogischen Werkstätten des Schulverbundes „Blick über den Zaun“ mitgearbeitet und können nach der Zertifizierung als Multiplikatoren für unser Kollegium oder auch andere Schulen fungieren.
3.2.2. Lernhäuser.
Lernhäuser: „Das Lernhaus gliedert die Schule für Schülerinnen, Schüler und Erwachsene in kleine überschaubare Einheiten, in denen mehrere Jahrgänge zusammengefasst werden – eine kleine Schule in der großen Schule.“ (siehe www.schulentwicklung-net.de, Münchener Lernhaus)
Das Lernhaus-Prinzip hat sich in den letzten zwei Schuljahren erst
als Idee und dann als Umsetzung in der Grundstufe etabliert. Zwei Gruppen der Stufe I und zwei Gruppen der Stufe II haben sich als Pilotgruppe zu einem Lernhaus zusammengeschlossen und seit Beginn des Schuljahres 2022/23 daran konzeptionell und praktisch gearbeitet. Der Einsatz von digitalen Medien zur Unterstützung der individuellen Lernprozesse wurde konzeptionell aufgenommen und in einer ersten Rückmeldung der Kolleginnen und Kollegen evaluiert.
Angedacht ist, dass im kommenden Schuljahr idealerweise zwei weitere Lernhäuser mit je vier Gruppen in der Grundstufe entstehen sollen. Damit würde die Grundstufe der Reformschule in Lernhäusern arbeiten.
3.2.3. ssl (social sciences lab).
Das social sciences lab hat sich gegründet als ein Pendant zum Schülerforschungszentrum Nordhessen. Es soll ein sozial- und kulturwissenschaftliches Forschungszentrum für junge Menschen in Kassel etabliert werden, das für unterschiedliche Anforderungen bedarfsgerechtes Knowhow durch externes Expertenwissen zur Verfügung stellt. Dafür sollen insbesondere auch digitale Medien verwendet werden. Inhaltlich geht es u.a. darum, die Gesellschaft und die sozial konstruierten Wirklichkeiten zu verstehen, in denen wir leben. Entsprechend werden Fragen verfolgt, die sich auf die Gesellschaft richten: Wie erzeugen Medien Macht? Welche Folgeprobleme entstehen durch die Digitalisierung? Wie kann gesellschaftliche Transformation im Sinne der Klimagerechtigkeit gelingen?
4.Kooperation mit der Universität Kassel.
Seit dem vergangenen Jahr gibt es wieder eine engere Kooperation mit der Universität Kassel. Ein Kollege ist seit diesem Schuljahr an die Universität Kassel abgeordnet und betreut Studierende in der Grundstufe, die dann vermehrt ihr Praktikum an der Reformschule machen. Frau Professor Dr. Heinzel hat einen Entwurf für eine Kooperationsvereinbarung zu einem Forschungs- und Entwicklungsvorhaben vorgelegt, in dem die Pilotgruppe Lernhaus zur Konzeptentwicklung, Peer-Group-Bildung, digitales Lernen und Unterrichten und zu einem Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung begleitet und evaluiert werden soll.
Die von Frau Dr. Zimmermann angelegte Absolventenbefragung findet in diesem Jahr zum dritten Mal statt.
5.Ausblick.
Die Reformschule möchte in der Zukunft noch intensiver ihre Erfahrungen und Kenntnisse anderen Schulen zur Verfügung stellen. Dafür könnte sich anbieten:
- Coaching für selbständiges Arbeiten
- Projektorientiertes Lernen von Jahrgang 0 bis 10
- Digividualisierung
- Lernhäuser
Darüber hinaus stellen sich einige sehr ernste Herausforderungen:
- Ohne Internetzugang keine Möglichkeit der Umsetzung
- Ohne Hardware (iPads) keine Möglichkeit der Umsetzung
- Zu wenig Zeit zur Weiterentwicklung, Evaluierung und Implementierung der Vorhaben
