Der Star war die Lady.

Die Theater-AG der Reformschule spielte Shakespeares Tragödie Macbeth
von Claudia v. Dehn

Kassel. Shakespeares Tragö­die „Macbeth” ist ein großer Brocken schon für jedes pro­fessionelle Theater. Wie viel mehr noch für eine Schulthea­ter-AG, die mit wenig techni­schen und künstlerischen Res­sourcen auskommen muss. Die 28 Schüler der Kasseler Reformschule, die unter der Doppelregie von Gabriela Ortega Sänchez und Peter Will das hochdramatische Stück am Freitagabend in ihrer Turnhalle zur Premiere brach­ten, taten dies mit viel Fanta­sie und großem Engagement. Zwischen den rot behäng­ten Wänden war das Publi­kum wie in einem Arena-Thea­ter umgeben von zahlreichen Spielorten. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch am Sei­teneingang und auf der Balus­trade am hinteren Rand des Saals liefen die Kurzszenen ab, die dem Drama Tempo und Spannung verliehen. Die zwei überdimensionalen Figuren rechts und links des Bühnen­vorhangs (Ausstattung und Musik: Monika und Jonatan Molinski) wiesen in ihrer ge­brochenen Bildwirkung schon auf den Dualismus zwischen Traumwelt und düsterer Reali­tät hin. Hinter einem Gazevor­hang verbreiteten die Hexen (Charlene Sander, Elena Bach, Esha Hammer, Marie Motzka, Nicola Graage und Katharina Reschke) mit ihren doppeldeu­tigen Weissagungen eine gru­selige Atmosphäre.

Die leicht verfremdende Wirkung der Übersetzung von Christoph Martin Wieland, die sich in einigen Wendun­gen vom heutigen Sprachge­brauch entfernt hat, meisterte das Ensemble mit großer Selbstverständlichkeit. Der Ehrgeiz des Macbeth, sein ver­hängnisvoller Griff nach Macht, war als treibendes Mo­tiv bei Leon Knublauch ein zwar kraftvolles, aber auch nach innen gekehrtes, philo­sophisch grundiertes Hand­lungsprinzip.

Gegenüber seinem mehr statischen Spiel gab Sina Pie­per der gewissenlosen Lady Macbeth mit Temperament und ausdrucksstarker Gestik ein lebhafteres Profil. Auch Duncan (Amelie Herrnsdorf) und Malcolm (Sinja Hammer) war die Spielfreude anzumer­ken, die das gesamte Ensem­ble prägte. Was angenehm auffiel, war zudem das durch­gehende Bemühen um Sprachkultur, so bei Macduff (Verena Kreßler) und seiner Lady (Dayala Lang). Anhalten­der Beifall im überfüllten Saal und Rosen für die Darsteller.

HNA vom 8. Mai 2007


Die Mitwirkenden

Duncan Amelie Herrnsdorf
Malcolm Sinja Hammer
Donalbain & ein schottischer Arzt Sara Steinberger
Macbeth Leon Knublauch
Banquo Lara Görtz-Mann
Lenox Pina Reinhard
Macduff Verena Kreßler
Rosse Anne Rohde
Macteth Lisa Jürgens
Angus Leona Domes
Fleance Jill Beisheim
Siward Simon Städtler
Der junge Siward & ein Offizier Arne Lange
Bedienter des Macbeth Esha Hammer
Seyton & Türwächter Emil Fährmann
Macduffs Sohn Jülide Sinanoglu
Lady Macbeth Sina Pieper
Lady Macduff Dayala Lang
Kammerfrau der Lady Macbeth Josephine Hüneburg
Die Hexen Charlene Sander, Elena Bach, Esha Hammer, Marie Motzka, Nicola Graage, Katharina Reschke
Mörder Hasret Varan, Josephine Hüneburg, Valentin Knublauch
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Musik und Geräusche Jonatan & Monika Molinski
Lichttechnik (Design) Jonatan Molinski
Licht- und Tontechnik Jonatan Molinski, Simon Städtler, Emil Fährmann
Bühnenbild & Requisiten (Design) Monika Molinski
Bühnenbild (Umsetzung vor Ort) Jule Benedix & Liselotte Schaub
Regie Gabriela Ortega-Sánchez, Peter Will

Text des Programmhefts

11. Jahrhundert. Die schottischen Highlands in dichtem Nebel. Kampfgetümmel. Eine Schar von Hexen beschwören Unheil herauf. Sie wollen den tapferen Than von Glamis und den Feldherrn Macbeth ins Verderben führen, indem sie ihm ankündigen, dass letzterer zusätzlich Than von Cawdor und König von Schottland werden wird.

Wäre das Orakel der Hexen nicht gewesen – wer weiß, was für ein guter Mensch Macbeth hätte bleiben können! Wurde er nicht von seinem König Duncan ausgezeichnet wegen seines tapferen und treuen Einsatzes im Kampf für gegen Norwegen?

Aber einmal mit dem Ehrgeiz geimpft, König werden zu können, kennen er und nicht zuletzt seine Frau, Lady Macbeth – die ihn ebenfalls heftig zum Königsmord aufstachelt – kein anderes Ziel mehr im Leben, als möglichst rasch den Thron zu erlangen: “Was für ein Tier war den das, das Euch antrieb, mir Euer Vorhaben kund zu tun? Als ihr den Mut hattet, es auszuführen, da wart Ihr ein Mann…”

Macbeth muss seine Männlichkeit vor seiner Frau beweisen. Dafür werden dann Freund, Frauen und Kinder ermordet, das heilige Gastrecht gebrochen, Unschuldige verleumdet und eine unheilvolle Diktatur errichtet, die nur mit äußerster Mühe schließlich wieder abgeschüttelt werden kann.

Die Theater-AG der Reformschule erzählt Shakespeares Tragödie von Aufstieg und Fall Macbeths in der Übersetzung des Dichters und Aufklärers Christoph Martin Wieland.

Während das monumentale Bühnenbild von der Künstlerin Monika Molinski mit den beiden bedrohlichen Portalfiguren den archaischen Charakter der Fabel von Macbeth eindrucksvoll unterstützt, beschwört die musikalische Gestaltung von Jonatan und Monika Molinski die traumhafte und gruselige Atmosphäre herauf, die dem gesamten Stück zugrunde liegt.

Plakat Macbeth 2007

Plakat zur Aufführung von der Theater-AG

Macbeth und seine Gefolgsleute

Gehen die Weissagungen der Hexen in Erfüllung?

Lenox (Pina Reinhard, von links), Banquo (Lara Görtz-Mann), Menteth (Lisa Jürgens)

Lady Macbeth versucht ihren Mann von ihrer Idee zu begeistern

Macbeth (Leon Knublauch) mit Lady Macbeth (Sina Pieper) nach seiner Ernennung zum Than von Cawdor. (Foto: Fischer)

LADY MACBETH: Großer Glamis! Würdiger Cawdor! Größer als beides! Dein Schreiben hat mich aus dieser armseligen Zeit entrückt, und ich fühle im Gegenwärtigen schon das Künftige emporsteigen.

Der schottische Arzt (Sara Steinberger) und die Kammerfrau der Lady Macbeth (Josephine Hüneburg) sorgen sich um den Zustand von Lady Macbeth.

ARZT: Seht nur, sie hat die Augen offen.
KAMMERFRAU: Ja, aber ihre Empfindung ist geschlossen.
ARZT: Was tut sie da? Seht, wie sie ihre Hände wäscht.
KAMMERFRAU: Das bin ich schon gewohnt. Ich hab sie schon gesehen, wie sie eine ganze Viertelstunde lang nichts anderes tat als sich die Hände zu waschen.

Bild links: Rosso (Anne Rohde) überbringt Lady Macduff (Dayala Lang) die Nachricht, dass ihr Mann fliehen musste und warnt sie, dass sie in großer Gefahr schwebe.

LADY MACDUFF: Wohin sollt ich fliehen? Ich habe ja nichts Böses getan.
ROSSE: Ihr habt keinen Augenblick zu verlieren. Flieht unverzüglich mit Euren Kindern.
LADY MACDUFF: Ich bin in einer Welt, wo Böses tun oft löblich ist, und Gutes tun für eine gefährliche Torheit gehalten wird… – Was soll ich nur machen?

Bild rechts: Macduff (Verena Kreßler) im finalen Kampf gegen Macbeth (Leon Knublauch):
MACBETH: Spar dir die Mühe! Ich habe ein verzaubertes Leben, das keinem weichen wird, der von einem Weibe geboren wurde.
MACDUFF: So verzweifele! Und lass dem Teufel, dem du dienst, ausrichten, das Macduff auf dem Weg eines Kaiserschnitts zur Welt kam.