1. Einleitung

 

Die Reformschule Kassel hat durch ihren Aufbau und ihre Strukturen seit ihrem Bestehen ein Förderkonzept, das gut geeignet ist, um alle SchülerInnen individuell zu fördern.

 

Altersmischung, Binnendifferenzierung, Projektarbeit u. a. m. bieten den SchülerInnen in allen Fachbereichen ein hohes Maß an Möglichkeiten, ihre individuellen Fähigkeiten und Kenntnisse zu entdecken bzw. weiterzuentwickeln.

 

Das empathische Schulklima ermöglicht allen, in ihrem eigenen Maß ihre persönlichen und sozialen Handlungskompetenzen zu entfalten und wo nötig auch zu korrigieren. Die ausgeprägte Kommunikationskultur hilft den SchülerInnen sich selbst einschätzen zu lernen.

 

2. Fördermaßnahmen für SchülerInnen mit Schwierigkeiten beim Lesen, Rechtschreiben und Rechnen / VOLRR vom 18.05.2006

 

2.1 Fördermaßnahmen

Ausgehend von der Verordnung VOLRR vom 18.05.2006 ist die Feststellung besonderer Schwierigkeiten beim Lesen, Rechtschreiben und Rechnen Aufgabe der Schulen.

 

Spätestens am Ende des 2. Schulhalbjahres der Klasse 1 müssen deshalb Fördermaßnahmen für betroffene SchülerInnen beschlossen werden. In Einzelfällen können externe Experten hinzugezogen werden.

Die Fördermaßnahmen werden von der Reformschule gesichert durch:

 

Die Dokumentationen der Förderung erfolgt im LEB bzw. Zeugnis.

 

 

  1. Förderpläne

 

Aufgrund der Diagnostik wird ein individueller Förderplan erstellt, der von der verantwortlichen Lehrkraft mit den Eltern und allen beteiligten LehrerInnen abgesprochen wird.

Fördermaßnahmen und Lernfortschritte werden halbjährlich in der Klassenkonferenz erörtert und im Förderplan dokumentiert.

Förderpläne werden auch für SchülerInnen erstellt, die in ihrem Arbeits- und/oder Sozialverhalten Unterstützung und Hilfsangebote benötigen.

Abweichungen von üblichen Bewertungsregelungen (wie Nachteilsausgleich, Aussetzung von Benotungen usw.) werden im Förderplan schriftlich festgehalten und werden jeweils von der Klassenkonferenz beschlossen.

 

  1. Förderkurse

 

Förderkurse werden für folgende Fächer angeboten:

 

Der Besuch der Förderkurse ist für die SchülerInnen verpflichtend, wenn es im Förderplan festgelegt ist.

 

Angestrebt ist, Deutsch- und Mathematikförderkurse neben dem vorhandenen Angebot in ausreichender Zahl anzubieten. Sie dürfen nicht zeitgleich stattfinden.

 

Um eine sinnvolle Förderung zu ermöglichen, sollte ein Förderkurs in der Stufe I mit max. 5 SchülerInnen, in den anderen Stufen mit max. 8 SchülerInnen besetzt sein.

 

Der Förderkurs sollte ganzjährig einmal wöchentlich angeboten werden. 

 

  1. Dauer der Fördermaßnahmen

 

Bei Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben sollen die Maßnahmen am Ende der Sekundarstufe I abgeschlossen sein.

 

Falls erforderlich werden in der Sekundarstufe II Ausnahmen vom Staatlichen Schulamt genehmigt.

 

Bei Schwierigkeiten im Rechnen sollen laut der o.a. Verordnung die Maßnahmen am Ende der Grundschulzeit abgeschlossen sein. Dennoch halten wir Förderung auch in der Sekundarstufe I für erforderlich.

 

 

 

  1. Dokumentation der Fördermaßnahmen

 

Eine Dokumentation der stattgefundenen Förderung findet sich im LEB / Zeugnis.

 

Die allgemeingültige (jeweils zutreffende) Formulierung lautet:

  1. „Die Schülerin / der Schüler hat besondere Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben und/oder Rechnen und hat am Förderkurs teilgenommen.“

    Zusatz für Stufe III und IV: „Die Leistungen im Lesen und Rechtschreiben wurden nicht bewertet.“

  1. „Die Schülerin / der Schüler hat besondere Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben und/oder Rechnen und hat nicht am Förderkurs teilgenommen.

  1. „Die Schülerin / der Schüler hat besondere Schwierigkeitenbeim Lesen und Rechtschreiben und/oder Rechnen und hat an einem außerschulischen Förderkurs teilgenommen.“

    Zusatz für Stufe III und IV: „Die Leistungen im Lesen und Rechtschreiben wurden nicht bewertet.“

  1. „Die Schülerin / der Schüler hat besondere Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben und/oder Rechnen und hat trotz Beratung weder an einem schulischen noch an einem außerschulischen Förderkurs teilgenommen.“

 

 

3. Fördermaßnahmen für SchülerInnen mit Hochbegabung

 

    1. Allgemeines

 

Fördermaßnahmen wie das Überspringen (Akzeleration) einer Jahrgangsstufe sind gängige Praxis und ein selbstverständlicher Bestandteil der Arbeit an der Reformschule Kassel.

Bis Ende 2007 haben 17 unserer SchülerInnen diese Möglichkeit genutzt, in der Regel mit positivem Ergebnis.

 

Vertreter der Reformschule Kassel nehmen seit einigen Jahren an dem landesweiten Arbeitskreis für Hochbegabtenförderung an Gesamtschulen in Hessen und am Arbeitskreis für Hochbegabtenförderung des Schulamts Kassel teil. Am 21. Juni 2005 wurde der Reformschule Kassel hierfür das Gütesiegel des Kultusministeriums erteilt.

 

    1. Intelligenztests

 

Wenngleich es u.E. sehr wichtig ist, anzuerkennen, dass ein Kind besondere Begabungen hat, wurden bislang Intelligenztests bei SchülerInnen der Reformschule Kassel vermieden, um z.B. Stigmatisierungen zu verhindern, denn eine  „Diagnose von Hochbegabung darf nicht Selbstzweck sein. Es bringt überhaupt nichts, einem Menschen das Etikett ‚hochbegabt’ zu verpassen, es birgt sogar Gefahren.“ (vgl.: Barbara Feger//Tania Prado: „Hochbegabung. Die normalste Sache der Welt, Darmstadt: wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1998, S. 44).

Ausnahmen sind SchülerInnen, deren Eltern ihr Kind extern testen ließen.

Haben wir einerseits bislang auf unsere umfangreiche Rückmeldungskultur (LEBs, Elterngespräche usw.) vertraut, wissen wir andererseits, dass Kinder, deren Hochbegabung nicht unbedingt offen liegt, ohne Testergebnis u.U. nicht entsprechend gefördert werden.

Hier haben wir unmittelbaren Fortbildungs- und Diskussionsbedarf.

 

  1. Fördermaßnahmen

 

3.3.1 Die altersgemischte Organisation des Unterrichts an der Reformschule Kassel macht das Überspringen von Jahrgängen einfach und wird auch immer dann praktiziert, wenn es pädagogisch sinnvoll erscheint.

 

Das erfolgreiche Überspringen einer Jahrgangsstufe hängt jedoch stets auch von der persönlichen Reife bzw. der sozialen Kompetenz des/der jeweiligen Schülers/-in ab. Insofern ist ein Überspringen nicht für alle Hochbegabten die passende Lösung.

 Bestimmte Klassenstufen bieten sich an unserer Schule für ein Überspringen besser an, weil die Veränderungen für das betreffende Kind nicht so gravierend sind. So ist z.B. von der 3. in die 5. Klasse zu springen geeigneter als ein Übergang von der 4. in die 6. Klasse.

Zum Erfolg des Überspringens ist es – nach unseren Erfahrungen – wichtig, dass die SchülerInnen selbst den für sie richtigen Zeitpunkt mitbestimmen.

 

3.3.2 In der Reformschule Kassel wird neben dem Berufspraktikum im Jahrgang 8

ein weiteres Praktikum im 10. Schuljahr durchgeführt, das i.d.R. eine lebenspraktische, künstlerische, ökologische oder soziale Zielrichtung hat. Dieses Praktikum hat in besonderer Weise bei hochbegabten Schülern eine identitätsstiftende und persönlichkeitsbildende Auswirkung.

 3.3.3 In der Stufe IV fertigen die SchülerInnen einmal jährlich eine Halbjahresarbeit an, in der sie sich intensiv mit einem selbst gewählten Thema auseinandersetzen.

 Durch die jährliche Teilnahme am Präsentationswettbewerb der Versuchsschulen „Bühne frei für helle Köpfe“wird SchülerInnen der Reformschule Kassel, die sich unter den MitschülerInnen durch besondere Begabungen hervortun, ein eigenes Forum geboten, besondere Projekte oder Halbjahresarbeiten vorzustellen.

 

3.3.4 Das AG-Programm der Reformschule Kassel und anderer außerschulischer Institutionen (Kinder- und Jugendakademie) bieten hochbegabten und hochleistenden SchülerInnen attraktive Angebote im musischen, naturwissenschaftlichen, sportlichen Bereich wie auch im Informatikbereich.

 In Form eines Enrichments kommen in der Reformschule einige Arbeitsgemeinschaften SchülerInnen mit Hochbegabung entgegen.

 Zu nennen sind hier besonders:

Die Arbeitsergebnisse aus den jeweiligen (Trommel-, Chor-, Schulband, Spiel- und Tanz, Orchester) AGs präsentieren die SchülerInnen öffentlich am traditionell stattfindenden „Musikalischen Abend“.

Die Arbeitsergebnisse aus den jeweiligen Theater - AGs werden in Form von jährlichen, öffentlichen Aufführungen von den SchülerInnen präsentiert.

Leitung für die Stufe III-IV: Frau Tina Pflüger / Schauspielerin und Dozentin an der Kasseler Theaterschule

Für die unterschiedlichen AGen erhält die Reformschule Kassel seit 2006 Fördergelder des Kultusministeriums.

 

  1. Dokumentation der Fördermaßnahmen

 Im Februar 2009 soll eine AG eingerichtet werden, die die Notwendigkeit von Intelligenztests diskutieren wird, um einen Leitfaden mit folgenden Schwerpunkten zu entwickeln:

Im Rahmen dieser AG wird im Schuljahr 2010/11 der Nutzen dieses Leitfadens evaluiert und eventueller Veränderungsbedarf eingeleitet werden.