Rezension in der HNA vom 7.5.2018

 

 

Die Mitwirkenden

  
 Conferencière Tessa Dinsch
 Die Sonne und ihre Planeten Maris Willmann, Franziska Baier, Enya Birkenwald, Amelie
Peitz, Josepha Strube, Franziska Floren, Joelle Freres, Berit
Wiegand, Finn Lee Leffler
 Reuters Nachrichtendienst Annika Voß / Emma Inderfurth
 Nachrichtensprecher*innen Chiara Füchsel, Josepha Strube, Berit Wiegand, Johannes Deutschmann
 Professor Hemking Paul Hülsmann
 Ronald Triumph und seine Fotografin Annika Voß / Florentine Wiesmann, Franziska Floren
 Teilnehmer der G7-Konferenz Marie Haller, Silva Klages, Jakob Grübbel, Maris Willmann, Emma Inderfurth, Franziska Baier, Johannes Deutschmann
 Beamte (E, F, D, AU) Berit Wiegand, Joelle Freres, Jakob Grübbel, Finn-Lee Leffler
 Der kleine Prinz Johannes Deutschmann
 Endzeitprediger Florentine Wiesmann
 Straßensängerinnen Emma Inderfurth, Silva Klages, Florentine Wiesmann
 Dieb & Selbstmörder Chiara Füchsel & Lilly Weber
 Discobesucher Maris Willmann, Silva Klages, Marie Haller, Jakob Grübbel, Enya Birkenwald, Florentine Wiesmann, Emma Inderfurth
 Drei Menschen Josepha Strube, Emma Inderfurth, Franziska Baier
 Wartende im Scheichspalast Marie Haller, Chiara Füchsel, Lilly Weber, Berit Wiegand, Josepha Strube, Florentine Wiesmann
 Orchester: Lena Landwehr, Helena Adzic, Victoria Reiche Gast, Silva Klages, Hannah Kahl, Madita Werner, Lena Licht, Mattis Pluquet, Lovis Schneid, Franziska Manz, Elisabeth Manz, Friedemann Manz, Rosa Erb, Nora Blumenstein, Rahel Stöver, Tara Neidhardt, Amelie Peitz, Adá Kazak, Benjamin Faust, Joris Pflanz, Klara Kaschlik, Paula Wernicke, Emil Fahlbusch, Katja Peters
   
 Licht- und Musiktechnik Marius Keil, Erik von Pein
 Mädchen für alles/Schminke Luisa Rumpel
 Planetendesign und –bau Katharina grote Lambers
 Plakatdesign Eberhard Weyel
Orchesterarrangements und -leitung Regina Engelhardt, Arne Siebling
 Regie Peter Will
   
 
 
 
 

 

 
Das Stück

Jura Soyfer war in den 1930er Jahre ein russlandstämmiger politischer Schriftsteller in Österreich, der Gedichte und Theaterstücke verfasste, bevor er 1938 festgenommen und ins KZ Dachau transportiert wurde, wo er dann an Typhus starb. „Der Weltuntergang“ war Soyfers erster dramatischer Versuch.
Der Inhalt: Der Rat des Sonnensystems beschließt, die Erde zu vernichten, da sie mit ihrer Menschenplage die Sphärenharmonie stört. Der vorbeiziehende Komet Konrad wird dazu bestimmt, die Entmenschung durchzu- führen. Im Vergleich zu der Geschwindigkeit, mit der sich der Komet Konrad auf die Erde zurast, um sein Zerstörungswerk zu verrichten, scheint die Zeit stillzustehen, in der die Menschheit leicht irritiert, aber im Grunde ungerührt, fortlebt.
Der einzige Mensch, der mit seiner Erfindung den Kometen ablenken könnte, Professor Hemking, Brite, wird von allen ignoriert, nur ein kleiner Prinz schlägt sich in unserer Inszenierung unerwartet auf seine Seite, tröstet ihn. Aber auch er vermag die Menschen nicht zu verstehen, ja, selbst Professor Hemking bleibt ihm fremd als der sich auf die trügerische Hoffnung verlegt, Dubais Scheichs könnten mit ihren Ölmilliarden die Welt retten.
Die Inszenierung weicht in ihrer zeitgeschichtlichen Aktualisierung in unsere Jetzt-Zeit mitunter stark von der Vorlage Soyfers ab, die sich damals eher auf die politischen Verhältnisse der Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts bezog. Es wurden auch Szenen zum Original hinzugefügt, die die heutigen Verhältnisse eher widerspiegeln.
Erstaunlich war, dass im letzten Jahr tatsächlich 4mal Meldungen über die Gefährdung der Erde durch vorbeiziehende Kometen in der Presse und den neuen Medien kursierten. Apokalyptische Ängste scheinen auch in unserer Zeit noch etwas durchaus Selbstverständliches zu sein.
Dass die Reformschule in diesem Jahr Club-of-Rome-Schule geworden ist, also Teil einer Organisation, die Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts der Menschheit „Die Grenzen des Wachstums“ warnend vor die Augen führte, findet in unserem Stück seine Entsprechung zu Professor Hemking, der ja ebenfalls Warnung und Rettung der Menschheit sein könnte, wenn diese ihm denn nur Gehör schenkte.
Das Orchester der Reformschule unter Regina Engelhardt und Arne Siebling kommentiert wie im vergangenen Jahr das Bühnengeschehen musikalisch, mal illustrierend, mal ironisierend, aber stets hintersinnig und konterkarierend wie z.B. bei ‚Mission Impossible‘ oder dem Endzeitsong "Nur mal kurz die Welt retten".

 
 
 
Tessa Dinsch als wortgewandte Conferencière: "Meine hochverehrten Damen und Herren. Die ersten Fragen über die letzten Dinge sind noch nicht gestellt, da gerät die Metaphysik bereits ins Wanken, da wird dem Verstand a priori zugemutet, das Seiende als Seiendes mal eben kurz in Frage zu stellen, da muss die Naturwissenschaft als maßgebende Referenzwissenschaft sich gefallen lassen, dass ihre Erkenntnisse null und nichtig sind: Das Tohuwabohu haben wir eigentlich schon lange hinter uns gelassen, aber – eben! - gleichsam kosmologisch bereitet sich schleichend eine Katastrophe vor..."
 
 
 
Enya Birkenwald alias Venus: "Ich brauch einen Trabanten wie dich, mein Schätzchen. Lass doch die Erde stehen, diesen verwelkten Stern. Sie macht sich um 500 000 Jahre jünger, als sie ist!"
 
 

Mond (hier im Bild: Berit Wiegand): ... also die Erde hat ... (greift sich an den Kopf und macht die Bewegung, eine Laus zu fangen) ... sie hat ... wie nennt man das nur ... Menschen hat sie!

Venus: Menschen! So ein Ungeziefer kenn ich nicht.

Saturn: Das müssen widerliche Tierchen sein!

Jupiter: Die siedeln sich sogar schon im Weltraum an und wollen uns alle infizieren, zuallererst den Mars.

Mars: Ich muss doch bitten. Ich bin noch nicht infiziert!

Mond: Na ja. Wie man's nimmt. - Ich habe auch einmal Menschen gehabt – bevor ich meine Glatze gekriegt hab – das waren schöne Zeiten! Lebendig sind sie halt, die Menschlein – und das ist immerhin schon was...

 

 

Triumph: Professor, Sie sind – wie wir gehört haben – ein Genie. Das imponiert mir. Ich liebe Genies. Ich bewundere Genies – auch wenn sie Briten sind. Ich hoffe, wir haben Sie in der Vergangenheit unterstützen können. Reichen Sie mir Ihre knorrige Rechte! (Zum Fotografen:)  Bitte Aufnahme!

Hemking: Nein, ich muss wirklich ...

Triumph: Kein Nein! Nein ist ein Fremdwort! Hemking, Sie sind nach mir der Stolz der englischsprachigen Welt! Der Weltuntergang ist eine kommunistische Erfindung! (Zum Fotografen:) Bitte Aufnahme!

Hemking: Aber...