- Binnendifferenzierung -

 

Im Rahmen des Auftrags des Hessischen Kultusministerium für die Versuchsschulen, die Binnendifferenzierung weiterzuentwickeln, und als Schwerpunkt des Schulprogramms der Reformschule fand am 19. und 20. April 2018 das Kompaktseminar des Kollegiums zu diesem Thema statt. Zuvor hatten im Februar beim diesjährigen Fachtag zur Binnendifferenzierung in Frankfurt Kolleg*innen der Reformschule wiederholt Workshops zum Thema Binnendifferenzierung durchgeführt.

 

In einem zweiten Schritt wurden nun zum Kompaktseminar zwei externe Berater eingeladen, um das Kollegium und die eingeladenen Eltern, Schüler*innen und Vertreter* innen der zwei Tandemschulen der Reformschule (Carl-von-Weinberg-Schule und IGS Süd in Frankfurt) weiter zu entwickeln. Simon Ettekoven und Johan Keijzer, die beiden Externen, waren beide über viele Jahre Lehrer und Schulleiter an holländischen Schulen und arbeiten jetzt unter anderem als Berater bzw. Coaches für Lehrer*innen in Holland und Deutschland.

Simon Ettekoven ist zudem Autor der Bücher “Effektiv lernen” / “Kooperatives Lernen” und „Aktiv Lernen“, drei Bücher, die in Holland eine wichtige Rolle in der Lehrerausbildung spielen. Sie wurden inzwischen auch ins Deutsche übersetzt und gewinnen hier zunehmend an Bedeutung.

 

 Abb.1: zeigt Simon Ettekoven im Workshop

 

Am Donnerstagnachmittag begann das Kompaktseminar in der Cafeteria der Reformschule. Neben dem Kennenlernen stand die ausgiebige Auseinandersetzung mit der Definition von Binnendifferenzierung im Mittelpunkt, um ein  gemeinsames  Verständnis für das gesamte Kollegium der Reformschule und ihren Unterricht zu finden. Ettekoven, bekannt für seine kooperativen Lernformen, ermöglichte allen Kolleg*innen mit Hilfe von kollektiven Arbeitsformen viel Raum für das Erarbeiten der gemeinsamen Haltung zur Binnendifferzierung. Ziel war, dass sich alle mit dieser vertieften Begriffsklärung identifizieren und somit auch zukünftig damit weiterarbeiten können. Weiterhin unterstützte Ettekoven diesen gemeinschaftlichen Prozess mit Inputphasen durch Expertisen aus Fachliteratur und eigenen Erfahrungen. Als Ergebnisse dieses intensiven Austausches wurden u.a. Schlagwörter wie „Akzeptanz von Heterogenität“, „verschiedene Aufgabenstellungen“, „wahrnehmen, wertschätzen des Individuums in der Gruppe“ und „voneinander – miteinander lernen“  herausgearbeitet. Abschließend wählten sich die Teilnehmer in 2 von 4 verschiedenen Workshops zum Thema Binnendifferenzierung für den nächsten Tag ein:

  1. Kleine Schritte - große Wirkung (Vormittag), Johan Keijzer
  2. Differenzieren - Denkfragen und Unterrichtsgespräch (Vormittag), Simon Ettekoven
  3. Binnendifferenzierung - Wahlmöglichkeiten geben (Nachmittag), Simon Ettekoven
  4. Differenziertes Lernen begleiten (Nachmittag), Johan Keijzer

Der Tag war geprägt durch die verschiedenen Workshops, die in den Unterrichtsräumen der Reformschule stattfanden. Auf der Basis der am Vortag erarbeiteten Begriffsklärung führten die beiden Referenten ihre Seminare ebenfalls mit Hilfe von binnendifferenzierenden Methoden durch - ganz im Zeichen des Themas. Neben der weiteren theoretischen Auseinandersetzung standen sowohl in den Vor- als auch Nachmittagsveranstaltungen praxisorientierte Übungen im Mittelpunkt. Jeder hatte die Möglichkeit, sich einzubringen und auszuprobieren. In der abschließenden Feedbackrunde wurde deutlich, dass das Kollegium die 1 ½ Tage als sehr bereichernd empfunden hat.

 

Abb.2: zeigt Gruppenarbeit im Workshop

 

Zum Abschluss gab Ettekoven noch einen Ausblick. Mitte Mai wird das Team Ettekoven / Keijzer wieder zu Gast in der Reformschule sein und im Rahmen einer  Hospitationswoche das Kollegium mit individueller Beratung vor und nach dem Unterricht zur Seite stehen. Hier soll dann das Erlernte angewandt und professionalisiert werden. „Das ist schon etwas ganz Besonderes“, sagt die Schulleiterin Elke Hilliger. „Wir freuen uns auf diese pädagogische Fachexpertise, denn nur selten gibt es für Lehrer*innen auch nach ihrer Ausbildung die Möglichkeit, externe und vor allem individuelle Beratung zu erhalten.“ Für die Reformschule und ihr eigenes Konzept stellen diese Hospitationen eine besondere Chance für die Fortentwicklung des Schulprogramms dar. Unter Berücksichtigung der besonderen Anforderungen an der Reformschule wie jahrgangs- sowie fächerübergreifenden Unterricht und einer speziellen Feedbackkultur spielen binnendifferenzierende Methoden eine immer wichtigere Rolle.

Finanziert werden die Maßnahmen (sowohl das Kompaktseminar als auch die Hospitationen) durch Mittel aus dem Versuchsschulbudget im Rahmen des Versuchsschulauftrages durch das Hessische Kultusministerium.

Bericht: Cramer / Fichtner-Gade