ODER

Konfliktbearbeitung mal anders

 

SchülerInnen lernen von LehrernInnen unglaublich viel – nun lernen LehrerInnen auch von ihren Kollegen, Konflikte fair und konstruktiv zu lösen und damit das Schulklima weiter zu verbessern. Denn das Fortbildungsprojekt der Reformschule Kassel ist noch weitaus tief greifender: Der Schwerpunkt liegt auf Konfliktmanagement und Konfliktprävention.

 

Das schulinterne Projekt der Reformschule Kassel war mit einer hochqualitativen Ausbildung verbunden, welche Frau Wolff und Frau Schalles im vorhinein beim Verein "Respekt e.V." absolviert hatten. Ziel der beiden Experten ist es, flächendeckende Qualitätsstandards für Konfliktmanagement-Strukturen einzuführen und nachhaltige Veränderungen durch die Verankerung dieser im Schulbetrieb anzustoßen. Deshalb möchten die Beiden in mehreren internen Fortbildungsveranstaltungen ihre KollegInnen und sich weiterbilden.

 

 

Besonderen Wert legen die beiden Reformpädagoginnen nämlich auf die Vorkenntnisse ihrer Kollegen und davon gibt es, im Alltag einer Lehrkraft, bekanntlich reichlich. Konflikte sind im schulischen Zusammenleben unvermeidbar und notwendig. Sie bringen zum Ausdruck, dass Auseinandersetzung und Kommunikation miteinander stattfinden. Ausgehend von diesem positiven Konfliktverständnis, betrachtet die Reformschule Konflikte auch im schulischen Umfeld nicht grundsätzlich als störend, bedrohlich und destruktiv. Entscheidend ist, wie Konflikte interpretiert werden und welche Lernmöglichkeiten aus ihnen geschöpft werden. Konflikte, die nicht oder unzureichend bearbeitet werden,  beeinträchtigen das Unterrichten in der Gruppe und das Zusammenleben in der Schule. Konstruktive Konfliktbearbeitung leistet einen Beitrag zur Gewaltprävention und kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden.

 

Am Mittwoch, dem 01.03.2017, fand die erste Veranstaltung mit KollegInnen der jahrgangsübergreifenden Stufe III statt. Nach einer kurzen theoretischen Einführung setzten sich die Teilnehmer besonders mit 2 Methoden aktiv auseinander.

 

Zuerst erprobten die Teilnehmer ihre Kommunikationsfähigkeiten unter erschwerten Bedingungen: "Bauklötze staunen" lautete das Motto - 2 Teilnehmer saßen Rücken an Rücken. Nun hatte eine Person die Aufgabe mit verschiedenen Bauklötzen einen beliebigen Turm zu bauen und seine Vorgehensweise gleichzeitig zu erklären. Der Partner versuchte gleichzeitig den selben Turm, ohne Sichtkontakt, nachzubauen. Dieser durfte lediglich mit einem neutralen "Fertig / OK" die einzelnen Schritte verbal bestätigen, aber keine Nachfragen stellen. Eine dritte Person agierte währenddessen als stiller Beobachter. Die teilweise zwar kunstvollen, aber doch oft sehr unterschiedlich aussehenden Architekturen überraschten auch die erfahrenen Pädagogen. Nicht zuletzt erlangten alle Teilnehmer in einem anschließenden Reflexionsgespräch Aufschluss über die Tücken von Sprache und Kommunikation.

 

In einer zweiten praktischen Einheit erprobten die Lehrkräfte die Methode "Forumtheater". Dabei handelt es sich um eine kreative Spielform, die Schauspieler und Zuschauer gleichermaßen einbezieht u.a. Probleme zu erkennen, Lösungsmöglichkeiten zu finden und Konflikte zu bewältigen. Jede Szenerie wird gemeinsam mit dem Publikum (Schüler und Schülerinnen) aus aktuellen Konflikten und Problemsituationen entwickelt. Dabei stellen die Schauspieler die Welt so da, wie sie ist. Zuschauer werden zu Mitwirkenden einer  Handlung, die sie selbst betrifft. Sie dürfen und sollen die Szenerie verändern, wie sie sein könnte. Den Mitwirkenden soll klar werden, dass es an ihnen liegt, die Wirklichkeit zu verändern.

 

Die Reformpädagogen lernten somit im Rahmen einer sehr kreativen Atomsphäre einen veränderten Umgang mit Konflikten und erwarben damit Handlungskompetenzen, die einen wertschätzenden und respektvollen Umgang auch in konflikthaften Situationen ermöglichen. Zukünftig können damit soziale Prozesse in der Schule qualifiziert begleitet werden.

 

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Ziel für die TeilnehmerInnen war es, einen persönlichen Kompetenzgewinn in ihrer Arbeit mit Konfliktsituationen mit SchülerInnen an der Reformschule zu reflektieren und zu vertiefen. Durch die unmittelbaren Praxiserprobungen, konnten sich die PädagogInnen sehr intensiv und damit nachhaltig mit dem Erlernten auseinandersetzen. Der Gewinn der Schule liegt darin, auf erfahrene und für die Konfliktarbeit ausgebildete Tandems zurückgreifen zu können.

Bericht: Ricky Cramer